Artillerie

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Sammelbezeichnung für die Geschützbewaffnung eines Kriegsschiffs oder die Ausrüstung von Landstreitkräften mit Geschützen, unterschieden nach leichter Artillerie bis 8,5 cm, mittlerer Artillerie bis 14 cm und schwerer Artillerie von 15 bis 28 cm oder mehr; für besondere Verwendungszwecke gab es Festungsartillerie, Sturmartillerie (Sturmgeschütz), Küstenartillerie und Panzerabwehrkanonen (Pak). Die schwerste Schiffsartillerie des Kriegs führten die japanischen Schlachtschiffe Musashi und Yamato mit je 9x45,6-cm-Rohren. Sie konnten 1460-kg-Geschosse bis zu 44 km weit schießen. Dagegen reichten die 38-cm-Geschütze der deutschen Schlachtschiffe Bismarck und Tirpitz nur 36,2 km weit.

    Die Infanteriedivisionen, mit denen das Deutsche Reich den Krieg begann, besaßen neben 3 Infanterieregimentern ein Artillerieregiment. Es bestand aus 3 leichten Abteilungen (Bataillonen) zu je 3 Batterien mit je 4 leichten Feldhaubitzen 10,5 cm und schweren Abteilungen mit 3 Batterien zu je 4 schweren Feldhaubitzen 15 cm.

    Bei den Gebirgsdivisionen bestand das Artillerieregiment nur aus 2 leichten Abteilungen zu je 2 Batterien mit je 4 Gebirgsgeschützen 7,5 cm oder 10,5 cm und 1 schweren Abteilung (motorisiert) mit 2 Batterien zu je 4 schweren Feldhaubitzen 15 cm.

    Die Panzerdivisionen besaßen 1 Artillerieregiment (motorisiert) aus 2 leichten Abteilungen zu je 3 Batterien mit je 4 leichten Feldhaubitzen 10,5 cm, ebenso die so genannten leichten Divisionen, die 1939/40 zu Panzerdivisionen umgebildet wurden. Die Geschütze der Infanteriedivisionen wurden überwiegend von Pferden gezogen, die der motorisierten und Panzerdivisionen von Zugmaschinen (Halbkettenfahrzeuge). Die "Panzerdivision 43" hatte in ihrem Artillerieregiment neben einer schweren und einer leichten Artillerieabteilung (motorisiert) eine gemischte Abteilung mit Geschützen auf Selbstfahrlafetten. Im späteren Kriegsverlauf stellte die Wehrmacht auch Divisionen auf, die nur über eine Artillerieabteilung mit 3 Batterien anstelle eines Artillerieregiments verfügten. Jedem deutschen Armeekorps waren in der Regel 2 motorisierte Artillerieabteilungen mit je 3 Batterien unter einem Artilleriekommandeur (Arko) zugeteilt.

    Bei den alliierten Divisionen lagen die Dinge ähnlich. Das Artillerieregiment der polnischen Infanteriedivision bestand aus 1 Abteilung zu 3 Batterien mit je 4 Geschützen und 1 schweren Abteilung mit 2 Batterien 10,5 cm zu je 2 Geschützen und 1 Batterie mit 4x15,5-cm-Haubitzen. Das Artillerieregiment der britischen Infanteriedivision besaß 3 Artilleriebataillone und 1 Panzerabwehrbataillon, die US-Artillerieregimenter umfassten bei den Infanteriedivisionen 4 Bataillone zu je 4 Batterien zu je 6 Geschützen, bei den Panzerdivisionen 3 motorisierte Bataillone. Anders dagegen die französische Armee: Ihre Infanteriedivision hatte 2 Artillerieregimenter: 1 Feldartillerieregiment mit 2 oder 3 Abteilungen zu je 3 Batterien mit je 4x7,5-cm-Kanonen und ein Artillerieregiment mit 2 Abteilungen zu je 3 Batterien mit je 4x10,5- oder 15,5-cm-Haubitzen. Auch die sowjetischen Divisionen besaßen zu Beginn des Ostkriegs 2 Artillerieregimenter, eins mit 7,62-cm-Kanonen und 12,2-cm-Haubitzen in 3 Abteilungen zu je 3 Batterien und zu je 4 Geschützen und eins mit 2 Abteilungen mit 24x12,2-cm-Haubitzen und 1 Abteilung mit 12x15,2-cm-Haubitzen. Die Rote Armee stellte im Verlauf des Kriegs zur Schwerpunktbildung in Durchbruchsabschnitten eine große Anzahl von Artillerie- und Granatwerferdivisionen auf. Am 1.6.1944 existierten davon 83, hinzu kamen noch 93 selbständige Artillerie- und Granatwerferbrigaden. Die Geschützzahl betrug zu diesem Zeitpunkt 97 050. Bis Anfang 45 wuchs die Zahl der Artilleriedivisionen auf 94, die der Geschütze (über 5 cm) auf 115 100.

    Die Wehrmacht stellte am 1.10.1943 bei der Heeresgruppe Mitte aus den Resten der aufgelösten 18. Panzerdivision die 18. Artilleriedivision mit 3 Regimentern zu je 3 Abteilungen auf. Sie kämpfte an der Ostfront, blieb die einzige ihrer Art und wurde am 27.7.1944 wieder aufgelöst. Ähnliche Funktionen wie die sowjetischen Artilleriedivisionen erfüllten die deutschen Volks-Artilleriekorps, die trotz ihrer Bezeichnung meist nicht einmal die halbe Stärke einer sowjetischen Artilleriedivision erreichten. 12 davon wurden zwischen November 1944 und Januar 1945 gebildet und bestanden aus 5-6 Abteilungen mit insgesamt 13-18 Batterien zu je 4 Geschützen.

    Von den überschweren deutschen Geschützen sind zu nennen: 60-cm-Mörser Karl (genannt Thor) und das 80-cm-Eisenbahngeschütz Dora.