Argentinien

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Republik in Südamerika mit 2,8 Millionen km² und 13,2 Millionen Einwohnern (1940), Hauptstadt Buenos Aires.

    Die Haltung Argentiniens bei Kriegsbeginn war zwiespältig: Zum einen tendierte v.a. die Wirtschaft zur Parteinahme für Großbritannien, dem bei weitem größten Handelspartner und Weizenabnehmer, zum anderen gab es starke faschistische Kräfte im Land, insbesondere in der Armee, deren Offizierkorps "preußisch" eingestellt war. Gemeinsam war beiden Lagern die antiamerikanische Grundeinstellung, die sich auch nach Pearl Harbor (7.12.1941) und dem Kriegseintritt der USA nicht änderte. Forderungen Washingtons nach Abbruch der Beziehungen zu den Achsenmächten verhallten ungehört. Die pro-deutsche Fraktion erhielt im Gegenteil noch Auftrieb durch einen Staatsstreich der Armee am 4.6.1943, der den Aufstieg des späteren Diktators Juan Domingo Perón (1895-1974) einleitete. Argentinien war damit idealer Stützpunkt für die nationalsozialistische Propaganda, während der US-Geheimdienst nur im Untergrund wirken konnte.

    Mit wachsenden Erfolgen der Alliierten geriet das Land jedoch in die Isolierung und verlor durch massive wirtschaftliche und militärische Hilfe der USA an die kooperationswilligeren südamerikanischen Rivalen, v.a. Brasilien, politisch an Gewicht. Widerstrebend brach Buenos Aires daher schließlich am 26.1.1944 die Beziehungen zum Deutschen Reich ab, blieb aber trotz harter US-Sanktionen (u.a. Abberufung des Botschafters 22.6.1944) dem Krieg noch fern. Erst am 27.3.1945 sah sich Argentinien zur Kriegserklärung gezwungen. Das änderte wenig an der antiamerikanischen Stimmung im Land, das nach dem Krieg zum bevorzugten Fluchtziel prominenter Nationalsozialisten wurde (u.a. Eichmann).