Ardennenoffensive

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    nach dem Plan "Wacht am Rhein" am 16.12.1944 anlaufende Angriffsoperation der Wehrmacht zwischen Hohem Venn und Nordluxemburg zur Wiedergewinnung der Initiative im Westen.

    Für die Ardennenoffensive, die nach Hitlers Willen aus der "ewigen Defensive" herausführen sollte, wurden bereitgestellt: Im Norden die 6. SS-Panzerarmee (Dietrich) mit 4 Panzer- und 5 Infanteriedivisionen, die über Lüttich den eigentlichen Schlag gegen Antwerpen führen sollte; im Mittelabschnitt die 5. Panzerarmee (von Manteuffel) mit 3 Panzer- und 4 Infanteriedivisionen, die weiter südwestlich über die Maas gehen und Dietrich gegen Angriffe von Südwesten schützen sollte; im Süden die 7. Armee (Brandenberger) mit nur 4 Infanteriedivisionen (vorgesehen 5 und 1 Panzerdivision), die einen schützenden Schleier an Manteuffels südlicher Flanke bilden sollte. Den Oberbefehl hatte von Rundstedt, nach dem die Ardennenoffensive auch Rundstedt-Offensive genannt wird, obwohl der Generalfeldmarschall kaum an Planung und Durchführung beteiligt war. Die Truppen im Kampfraum unterstanden der Heeresgruppe B (Model), die Luftsicherung übernahm das Luftkommando Westen (J. Schmid) mit 1492 Jägern, 262 Bombern und Schlachtflugzeugen sowie 40 Aufklärern.

    Trotz des umfangreichen Aufmarsches gelang die fast völlige Überrumpelung des Gegners, der 1. US-Armee (Hodges). Auch das für einen Erfolg der Ardennenoffensive unabdingbare schlechte Wetter, das die alliierte Luftstreitmacht am Boden hielt, stellte sich ein. Wenn dennoch der erste Anlauf im Norden nach 10 km und in der Mitte nach 30 km ins Stocken geriet, so wegen fataler Unterschätzung des angeblich in der Defensive hilflosen amerikanischen Gegners und wegen Nachschubschwierigkeiten auf den verschneiten und verstopften Straßen. Das Unternehmen "Greif", bei dem als US-Offiziere getarnte SS-Männer Verwirrung hinter den feindlichen Linien stiften sollten, blieb fast ohne Wirkung. Das für den 2. Angriffstag vorgesehene Ziel, die Maas, wurde nicht erreicht. Immerhin gelang der 5. Panzerarmee die Einschließung des wichtigen Verkehrsknotens Bastogne und, solange eine niedrige Wolkendecke schützte, der Vorstoß mit der 2. Panzerdivision bis in die Nähe von Dinant.

    Im Norden ging eine Kampfgruppe der 1. SS-Panzerdivision Leibstandarte "Adolf Hitler" unter SS-Obersturmbannführer Peiper schon am 17.12. auf Stavelot vor und wurde erst kurz vor einem amerikanischen Benzindepot vom Treibstoffmangel gestoppt. Seiner Einheit wurde nach dem Krieg im Malmedy-Prozess die Ermordung gefangener und verwundeter Gls angelastet. Das Gerücht über das Massaker führte in den folgenden Kämpfen zu wachsender Erbitterung und steigenden Verlusten auf beiden Seiten.

    Nach einer Woche begannen die alliierten Gegenmaßnahmen zu greifen: Der mit Beginn der Ardennenoffensive einsetzende Beschuss des reparierten Hafens von Antwerpen mit V-Waffen konnte den reichlich fließenden Nachschub für die US-Truppen nicht gefährden. Mit Wetterbesserung am 23.12. kam die Luftüberlegenheit zudem zum Tragen, sodass Nachschub für die deutschen Verbände nur noch nachts und somit gänzlich unzureichend nach vorn kam. Angriffe auf die weitgedehnten deutschen Flanken zwangen Manteuffel - oft unter Aufgabe zahlreicher Kampfwagen - zur Zurücknahme der Panzerspitzen und ermöglichten der 4. US-Panzerdivision am 26.12. den Durchbruch durch den Belagerungsring um Bastogne, das sich, aus der Luft versorgt, hatte halten können.

    Trotz der sicheren Niederlage weigerte sich Hitler, der die Ardennenoffensive vom Führerhauptquartier "Adlerhorst" leitete, die Rücknahme der deutschen Truppen auf die Westwall-Stellungen anzuordnen, sondern befahl Kampf um jeden Meter Boden. So dauerte es noch bis zum 16.1.1945, bis der durch die Ardennenoffensive entstandene Frontbogen eingedrückt war, und bis zum 7.2., ehe die Amerikaner die Ausgangsstellungen wieder erreicht hatten. Die Wehrmacht hatte 17 200 Tote, 16 000 Gefangene und 34 439 Verwundete, die USA hatten 29 751 Tote und Vermisste sowie 47 129 Verwundete zu beklagen. Die letzten Reserven der Luftwaffe, die allein in den ersten acht Tagen der Ardennenoffensive 1088 Maschinen verlor, waren verheizt.

    Die militärisch fragwürdige Ardennenoffensive war von Hitler auch als politische Demonstration der Stärke gedacht. Sie sollte die "widernatürliche" Kriegskoalition der Angloamerikaner und Sowjets erschüttern und womöglich den Westmächten die Wehrmacht als Partner für einen für unausweichlich gehaltenen Endkampf gegen den Bolschewismus empfehlen. Doch wie militärisch der "Erfolg" nur in der Entblößung der Ostfront, der Verzögerung des Vormarschs der Westalliierten und damit in der Verschiebung der Demarkationslinie zwischen Osten und Westen bestand, so schmiedete die Ardennenoffensive die Gegner letztlich auch politisch nur fester aneinander. Erst als der hier noch einmal gefährlich werdende Gegner Hitler wegfiel, konnte das Trennende ans Licht kommen.