Alliierter Kontrollrat

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Control Council), 1945-48 oberstes Regierungsorgan der vier Besatzungsmächte für Deutschland, errichtet nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches gemäß dem Abkommen vom 14.11.1944 (Europäische Beratende Kommission) auf der Rechtsgrundlage der Junideklaration vom 5.6.1945, Mitglieder: die Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen, der Vorsitz wechselte monatlich, Organ: "Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland".

    Der Alliierte Kontrollrat, der erstmals während der Potsdamer Konferenz am 30.7. im Gebäude des Berliner Kammergerichts im amerikanischen Sektor zusammentrat, sollte alle Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen regeln, eine einheitliche Politik der Besatzungsmächte sicherstellen, die deutsche Zentralverwaltung überwachen und die Verwaltung von Berlin wahrnehmen. Die laufenden Geschäfte erledigte ein ständiger Koordinierungsausschuss, der in paritätisch besetzte Abteilungen gegliedert war, die wiederum Fachkommissionen bildeten (Ende 1945 über 170). Vornehmlich ging es bei ihrer Arbeit um die Beseitigung von nationalsozialistischen Gesetzen und Vorschriften sowie um die Umsetzung der Beschlüsse von Jalta und der Vereinbarungen des Potsdamer Abkommens.

    Wegen der Unvereinbarkeit der angloamerikanischen mit der sowjetischen, zum Teil auch mit der französischen Besatzungspolitik konnte in vielen Fragen die vorgeschriebene Einstimmigkeit nicht erzielt werden. Als die USA die Westsektoren Berlins in ihr europäisches Aufbauprogramm (ERP, volkstümlich Marshall-Plan) einbezogen, kam es auf der Sitzung vom 20.3.1948 zum Eklat: Die sowjetische Delegation verließ den Alliierten Kontrollrat, der damit ohne formale Auflösung faktisch alle Funktionen verlor.