Afrikafeldzug

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Eine Focke-Wulf Fw 90 nach einem erfolgreichen Angriff auf einen britischen Panzer im Afrikafeldzug

    Bezeichnung für die militärischen Operationen der Achsenmächte gegen die Alliierten in Libyen, Ägypten und Tunesien vom 13.9.1940 bis 13.5.1943. Als Italien am 10.6.1940 an der Seite des Deutschen Reichs in den Krieg eintrat, stand in der italienischen Kolonie Libyen eine italienische Heeresgruppe (Balbo, später Graziani), bestehend aus der 5. Armee (Gariboldi) mit 3 Armeekorps (6 Infanteriedivisionen, 2 Milizdivisionen und 1 Kolonialdivision) und der 10. Armee (Berti) mit 2 Armeekorps (3 Infanteriedivisionen, je 1 Miliz- und Kolonialdivision), insgesamt 7206 Offiziere und 145 569 Unteroffiziere und Mannschaften mit 339 leichten Panzern, 1441 Geschützen und 7360 Kraftfahrzeugen. Die Artillerie war veraltet, die Panzerabwehrmittel waren dürftig. Dennoch hoffte Mussolini, gegen die um ein Vielfaches schwächeren britischen Streitkräfte in Ägypten zu raschen Erfolgen zu kommen, und begann seinen "Parallelkrieg" in Nordafrika.

    Am 13.9.1940 trat die 10. Armee mit 6 Divisionen und 8 Panzerbataillonen an der libysch-ägyptischen Grenze zur Offensive an, unterstützt von 135 Jagdflugzeugen, 110 Bombern und 45 Schlachtflugzeugen. Sidi Barrani fiel am 16.9., doch drei Tage später brach Graziani den nur widerwillig begonnenen Angriff wegen angeblicher Nachschubschwierigkeiten ab und nahm ihn auch nicht wieder auf. In den folgenden Wochen blieb es an der Front verhältnismäßig ruhig, dann aber ging Anfang Dezember 1940 das britische XIII. Korps (O'Connor) mit 31 000 Soldaten, 120 Geschützen und 275 Panzern zum Gegenangriff über, der sich für die Italiener zu einer Katastrophe entwickelte. Im ersten Anlauf zerschlug O'Connor ein italienisches Korps und nahm 4 Generale und 38 000 Mann gefangen. Die Beute betrug 237 Geschütze und 73 Panzer. Am 11.12. rückten die Briten in Sidi Barrani ein, am 17.12. erreichten sie Sollum an der libyschen Grenze, am 2.1.1941 Bardia. In der Festung Tobruk kapitulierten am 22.1. über 25 000 Italiener, darunter 2000 Marinesoldaten, und am 6.2. zog O'Connor in Benghasi ein. Logistische Probleme zwangen die Briten, am 8.2.41 bei El Agheila stehen zu bleiben. Bei einem Verlust von 558 Toten und 1373 Verwundeten hatten sie 10 italienische Divisionen vernichtet, 408 Panzer und 1290 Geschütze erbeutet sowie 130 000 Gefangene, darunter 19 Generale, eingebracht.

    Mussolini hatte anfänglich deutsche Hilfsangebote brüsk abgelehnt, da er zu Recht befürchtete, wie er Badoglio gegenüber äußerte: "Wenn sie erst einmal bei uns Fuß fassen, kommen wir nicht mehr los von ihnen." Nun bat er selbst am 19.12.1940 um Unterstützung, woraufhin Hitler am 9.1.1941 die Entsendung eines "Sperrverbandes" nach Libyen befahl, um den erwarteten Verlust der restlichen italienischen Kolonie und den dann unausweichlichen Prestigeverlust zu verhindern. Die hierfür formierte 5. Leichte Division (Streich) wurde vom 8.2. an überführt, die 15. Panzerdivision folgte rasch. Den Befehl über die deutschen Truppen (Deutsches Afrikakorps) erhielt am 12.2. General Erwin Rommel. Zur Luftunterstützung verlegte das X. Fliegerkorps nach Sizilien.

    Deutsche 8,8-cm-Flak im Kampf um Bir Hacheim

    Entgegen Hitlers Abwartekonzept unternahm Rommel am 22.3.1941 bei El Agheila einen Aufklärungsvorstoß, aus dem sich eine stürmische Gegenoffensive entfaltete, die am 4.4. zur Einnahme von Benghasi und am 8.4. von Derna führte. Die Rückeroberung Tobruks scheiterte zwar, doch erreichten die deutschen Truppen am 11.4. Bardia und schnitten damit die Festung von den Landverbindungen ab. Rommel sagte später über die unerwarteten Erfolge: "Wir hatten nichts. Ungewollt sind wir eigentlich in diese Offensive hineingeschlenkert." Gegenmaßnahmen ließen nicht lange auf sich warten: Angriffe der Briten im Mai ("Brevity") und Juni 1941 ("Battleaxe") scheiterten, doch ein dritter seit 18.11. zur Entsetzung Tobruks ("Crusader") zwang Rommel zum Rückzug. Am 23.12.1941 gab er Benghasi auf und stand Anfang Januar 1942 wieder in seiner Ausgangsstellung vom März 1941.

    Doch schon am 23.1. ging Rommel im Schutz heftiger Sandstürme gegen einen völlig überraschten Gegner erneut zur Offensive über und rückte am 29.1. wieder in Benghasi ein. Am 3.2. erreichte er Derna, konnte dann aber erst am 26.5.1942 nach Überwindung großer Nachschubschwierigkeiten seinen Angriff fortsetzen ("Theseus"). Nach einer Verzögerung vor Bir Hacheim stieß er nach Osten vor, brach dann aber entgegen allen britischen Erwartungen den Vormarsch am 18.6. ab, drehte drei Tage später nach Westen und nahm am 21.6. Tobruk. Die Deutschen machten reiche Beute, die Rommels Nachschubsorgen vorerst behoben, und brachten 33 000 Gefangene ein. Hitler beförderte den "Wüstenfuchs", so Rommels Spitzname wegen des listenreichen Taktierens, zum Generalfeldmarschall, und zwei Tage danach überschritt die deutsch-italienische Panzerarmee in Afrika die ägyptische Grenze. Sie erreichte am 30.6. die Enge von El Alamein zwischen Kattara-Senke und Küste 100 km westlich von Alexandria, versuchte bei überdehnten Nachschubsträngen jedoch vergeblich, hier die britische Verteidigung zu durchbrechen. Jetzt rächte sich, dass die Achsenmächte versäumt hatten, die britische Insel Malta auszuschalten und damit die Versorgungsprobleme entscheidend zu mindern.

    Vom 31.8. bis 2.9.1942 scheiterte ein letzter Versuch Rommels vor Alam Halfa, die Initiative zurückzugewinnen. Auch ein britischer Vorstoß gegen Tobruk am 14.9. ("Agreement") blieb noch erfolglos. Ein nächster Schlag der britischen 8. Armee (Montgomery) aber brachte die Wende. Am 23.10.1942 griff sie mit zehn Divisionen und vier Brigaden mit 1114 Panzern und 880 Flugzeugen fünf geschwächte deutsche und sieben italienische Divisionen an, die nur über 530 Panzer und 372 Flugzeuge verfügten. Der in Abwesenheit Rommels führende General der Panzertruppen Stumme fiel. Am 2.11. durchbrach Montgomery nach mehrtägiger Materialschlacht mit großem Artillerieaufwand und rollenden Luftangriffen die Stellungen der Achsentruppen und brachte 30 000 Gefangene ein. Gleichzeitig landeten die Alliierten am 7./8.11.1942 in Marokko und Algerien ("Torch"). Rasch nach Tunesien überführte deutsche und italienische Truppen konnten zwar den Verlust dieses Teils von Französisch Nordafrika verhindern. Die Bedrohung durch die von Westen anrückende britische 1. Armee (Andersen) mit dem britischen V. Korps (Allfrey), dem französischen XIX. Korps (Koeltz) und dem II. US-Korps (Fredendall) zwang jedoch Rommel in Libyen zum Rückzug. Am 13.12.1942 räumte er Tobruk und einen Monat später El Agheila. Mit der Aufgabe von Tripolis am 23.1.1943 war die italienische Kolonie Libyen endgültig verloren. Ein letzter Offensivversuch Mitte Februar 1943 in Tunesien über den Kasserine-Pass brachte nur Anfangserfolge, ein Vorstoß Rommels am 6.3. aus der Mareth-Linie heraus gegen die vorgewarnte britische 8. Armee blieb ebenfalls liegen. Drei Tage später gab Rommel wegen Krankheit das Kommando über die Heeresgruppe Afrika an Generaloberst von Arnim ab, der schließlich am 13.5.1943 mit den Resten von elf deutschen und sechs italienischen Divisionen kapitulieren musste: 157 000 deutsche und 86 700 italienische Soldaten gerieten in Gefangenschaft, darunter auch der Oberbefehlshaber der italienischen 1. Armee Marschall Messe. Eine trotz ständig bedrohter Seeverbindungen durchaus mögliche Rettung großer Teile der deutsch-italienischen Streitkräfte hatte Hitler abgelehnt. Zwischen dem 6.1. und 7.2.1943 hatten italienische Zerstörer noch 15 580 Soldaten nach Tunesien gebracht, auf dem Luftweg waren bis Ende April insgesamt noch 57 500 gekommen, und allein im April waren noch 2500 über See und 8388 per Lufttransport gefolgt, wobei 93 Maschinen verloren gingen.

    Die Verluste im gesamten Afrikafeldzug: 18 594 gefallene und 3400 vermisste Deutsche, 13 748 gefallene und 8821 vermisste Italiener, 35 476 gefallene sowie im Endkampf in Tunesien dazu 6233 gefallene, 10 599 vermisste und 21 528 verwundete Briten (inklusive Commonwealth), 2715 gefallene, 6528 vermisste und 8978 verwundete Amerikaner, 2156 gefallene, 7007 vermisste und 10 276 verwundete Franzosen.

    Der Afrikafeldzug ging für die Achsenmächte jedoch nicht nur auf dem Festland verloren, sondern auch zur See. Das ständige Abfangen der Nachschubschiffe durch britische See- und Luftstreitkräfte glaubte die deutsche Führung auf Verrat höchster italienischer Kommandostellen zurückführen zu müssen. Nach dem Krieg wurde bekannt, dass "Ultra" der wahre "Verräter" gewesen war: Das Entziffern der deutschen und italienischen Funksprüche ermöglichte es den Engländern, den Nachschubverkehr schließlich ganz zum Erliegen zu bringen. In unmittelbarem Zusammenhang mit "Ultra" gingen im Verkehr von und nach Libyen 48 italienische und 6 deutsche Transporter und Tanker mit 222 578 BRT (36% der Tonnage) verloren, im Verkehr mit Tunesien 23 italienische und 9 deutsche Handelsschiffe mit 134 120 BRT (57%).