Ärmelkanal

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Englischer Kanal, Der Kanal), meistbefahrene Schifffahrtsstraße der Erde zwischen dem europäischen Festland und Großbritannien, im 2. Weltkrieg lange eine Art Hauptkampflinie zwischen England und dem deutsch besetzten Westeuropa. Zunächst allerdings kam es wegen der anderweitigen Verpflichtungen der deutschen Kriegsmarine und der langen Anmarschwege unter britischer Luftherrschaft kaum zu Kampfhandlungen im Ärmelkanal, der erst mit der Gewinnung von Atlantikhäfen als Nachschub- und Ausfallstraße für die deutsche Über- und Unterwasserstreitkräfte lebenswichtig wurde. Ins strategische Blickfeld rückte er v.a. durch die Planungen für das Unternehmen "Seelöwe" zur Invasion Englands, nach deren Aufgabe die Sicherung der Transporte durch den Ärmelkanal im Vordergrund stand. Minensperren und Patrouillen sowie intensive Luftüberwachung wurden von beiden Seiten eingesetzt. Dennoch kam es zu einigen spektakulären Aktionen im Ärmelkanal, so dem Raid der Briten gegen Dieppe oder dem Kanaldurchbruch deutscher Großkampfschiffe (12.2.1942).

    Kriegsschauplatz im engeren Sinne wurde die Meeresstraße während und nach der Invasion der Alliierten Anfang Juni 1944, als der gesamte Nachschub für die gewaltige Landungsstreitmacht übergesetzt wurde. Die deutsche Gegenwehr aber erlahmte rasch angesichts der erdrückenden Überlegenheit der Angloamerikaner, die sich nicht einmal um die bis Kriegsende deutsch besetzten Kanalinseln kümmerten. Mit dem weiteren Vormarsch der Westmächte nach Frankreich hinein wurde das Seegebiet des Ärmelkanals nur noch gelegentlich Kampfraum, etwa bei deutschen Luftangriffen oder beim wenig erfolgreichen Einsatz von Kleinkampfmitteln der deutschen Kriegsmarine gegen Schiffsziele.