"Zahme Sau"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Tarnbezeichnung der deutschen Luftwaffe für die weiträumige Verfolgungsnachtjagd im Gegensatz zur objektgebundenen hellen "Wilde Sau"-Taktik. Zur "Zahme Sau" versammelten sich nach erkannten Feindeinflügen zweimotorige Nachtjagdgruppen aus allen Teilen des Reichs um verschiedene Funkfeuer. Von dort wurden sie durch eine laufende Funksprechreportage vom Boden oft über mehrere hundert km hinweg in den feindlichen Bomberstrom geschleust, wo sie sich ihre Opfer mit dem bordeigenen Lichtenstein-Radar selbst suchten. Begünstigt wurde diese Taktik durch die Einführung des Naxos-Peilers und der "Schrägen Musik" als Angriffsbewaffnung.

    Die "Zahme Sau"-Taktik wurde erstmals erfolgreich in der Nacht vom 17./18.8.43 beim "Hydra"-Angriff der RAF gegen Peenemünde (41 Abschüsse) praktiziert. Sie brachte dem Bomber Command in den folgenden Monaten über dem Ruhrgebiet und v.a. bei der Battle of Berlin steigende Verluste; Höhepunkt Langstreckenangriff auf Nürnberg 30./31.3.44 mit 95 abgeschossenen viermotorigen Bombern. Zeitweilig musste die britische Nachtoffensive sogar unterbrochen werden, doch erlahmte auch die "Zahme Sau" bald wieder durch Treibstoffmangel und verbesserte alliierte Störmethoden.