"Tiger"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Codebezeichnung für die Landungsübung amerikanischer Verbände im Morgengrauen des 28.4.44 bei Torcross (Devon) an der Küste Südenglands. Die Operation "Tiger", an der über 20 000 Soldaten teilnahmen, war als Generalprobe für "Overlord", die Landung in der Normandie, gedacht und sollte die Truppe nach dem Desaster von Dieppe mit allen denkbaren Gefahren vertraut machen. Schon bei der Unterweisung im Umgang mit Minen kamen vor Anlaufen der Operation über 30 GIs ums Leben. Bei der Ausschiffung stellte sich heraus, dass nur die wenigsten Manöverteilnehmer wussten, dass scharfe Munition ausgegeben worden war. Bei simulierten Angriffen gab es daher weitere Opfer. Es folgte ein echter Angriff von 9 Booten der deutschen 5. und 9. Schnellbootflottille von Cherbourg aus auf den völlig ungeschützten Landungskonvoi: Zwei gepanzerte Landungsboote wurden versenkt, ein weiteres torpediert, 197 Seeleute und 441 eingeschiffte Soldaten kamen ums Leben, weil obendrein falsche Funkfrequenzen verteilt worden waren, sodass Hilferufe nicht ankamen. Insgesamt forderte "Tiger" mit über 1000 Toten mehr Opfer als jede andere "ernste" Einzeloperation der Amerikaner. Die Katastrophe wurde sorgfältig geheimgehalten, und auch nach dem Krieg kam die Wahrheit nur zögernd ans Licht. Erst 1987 konnte bei Torcross ein Mahnmal für die Gefallenen, ein vor der Küste gehobener Sherman-Panzer der Landungstruppen, eingeweiht werden.