"Südstern"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Deckname für ein Kampfpropagandaunternehmen der SS-Standarte "Kurt Eggers" an der Italienfront mit dem Ziel, Soldaten der auf alliierter Seite eingesetzten polnischen Division unter General Anders zum Überlaufen zu bewegen. Mit Unterstützung deutscher Dienststellen in Polen konnte das notwendige polnische Personal beschafft werden. Die Führung von "Südstern" beschloss, den Schwerpunkt der geplanten Demoralisierungskampagne auf die Einwirkung durch Rundfunksendungen zu legen; sie sollten durch Flugblattaktionen verstärkt werden. Unter dem Decknamen "Wanda" strahlte ein Propagandasender gegen das Anders-Korps am 3.3.44 sein erstes Programm ab. Der eigentliche psychologische Trumpf von "Südstern" bestand in der ersten Phase bis Herbst 44 in dem Versprechen, alle polnischen Überläufer sofort nach Hause ("do domu") zu entlassen. Die "unbeschränkte Rückkehr in die Heimat", die schon am 13.7.42 polnischen Überläufern in Nordafrika angeboten worden war, wurde noch einmal speziell durch eine am 11.2.44 von OKW-Chef Keitel unterzeichnete Verfügung bestätigt. Die genaue Erfolgszahl - es wurde von zwischen 50 und 1900 Überläufern gesprochen - ist nicht mehr zu ermitteln. Die eigentliche konzeptionelle Schwäche der Kampfpropaganda des Unternehmens "Südstern" bestand in ihrem geringen Realitätswert und mangelnder Glaubwürdigkeit bei den angesprochenen Polen, die über die tatsächlichen Zustände im von den Deutschen besetzten Polen zu genau informiert waren. Neben der Propaganda gegen das Anders-Korps übernahm "Südstern" auch die propagandistische Bearbeitung der westalliierten Verbände der amerikanischen 5. und der britischen 8. Armee, wobei der Schwerpunkt ebenfalls auf der Rundfunkpropaganda lag. Die Flugblätter des Unternehmens "Südstern" gehören von Grafik und Druck her zu den eindrucksvollsten des Krieges. Ein später prominenter Mitarbeiter war als Leutnant der Luftwaffe (Rundfunkberichterstatter) Henri Nannen.