"Ruf, Der"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    auf amerikanische Initiative hin gegründete Zeitschrift der deutschen Kriegsgefangenen in den USA, erschienen halbmonatlich vom 1.3.45 bis 1.4.46 (26 Ausgaben) im Format DIN A3, Umfang 8 Seiten, Herausgeber u.a. der Publizist Gustav René Hocke (1908-1985). Zur Vorbereitung des "Ruf" wurden von einer Projektgruppe der US-Armee antinationalsozialistisch eingestellte Gefangene des Lagers Van Etten (New York) zusammengerufen, die eine Zeitschrift für alle Lager in den USA schaffen und ihre Leser "zur demokratischen Denkweise zurückführen" sollten. Besonders problemat. war, alle etwa 200 000 Käufer (Preis 5 cent) gleichermaßen anzusprechen, was einerseits durch Betonung des deutschen kulturellen Erbes, andererseits durch Meldungen aus der Heimat gelang. Dabei kam es v.a. nach Kriegsende durch Nachrichten über die Gräuel in den Konzentrationslagern zu erregten, quälenden Debatten. Von den Mitarbeitern, zu denen u.a. Hans Werner Richter (1908-1993), Walter Kolbenhoff (1908-1993) und Alfred Andersch (1914-1980) gehörten, waren einige im Sommer 46 Mitbegründer der gleichnamigen Zeitschrift in Deutschland, die bis 1949 erschien mit dem Untertitel "Unabhängige Blätter der jungen Generation".