"Reichenberg"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Tarnname für die bemannte Version der Flugbombe Fieseler Fi 103, bekannter unter dem Propagandanamen V 1. "Reichenberg" war als so genanntes Verlustgerät für "Totaleinsätze" gegen Punktziele mit hastig ausgebildeten Selbstaufopferungspiloten des Kampfgeschwaders (KG) 200 bestimmt. Die ersten motorlosen Flugversuche mit Landekufe wurden im Deutschen Forschungsinstitut für Segelflug (DFS) in Ainring bei Bad Reichenhall und im Luftwaffentestzentrum Rechlin unter Mitwirkung von Hanna Reitsch unternommen. Eine zweisitzige Version diente zur Flugschulung. Als Einsatzwaffe mit einem 800-kg-Gefechtskopf und Führerstand vor dem Strahlrohr sollte "Reichenberg" von Trägerflugzeugen etwa 300 km vor dem Ziel ausgeklinkt werden: Fluggewicht 2,25 t, maximal 800 km/h mit gezündetem Triebwerk, Flugdauer 32 Minuten. Die Aussichten des Piloten, sich aus der winzigen Kabine mit dem Fallschirm zu retten, wären unter Gefechtsbedingungen gleich null gewesen; etwa 100 Freiwillige befanden sich noch in der Ausbildung, als Hitler das Selbstmordprojekt Ende Februar 45 aus Sorge um die öffentliche Wirkung verbot. Rund 1000 "Reichenberg" wurden bei Kriegsende von den Alliierten in einer unterirdischen Luftmunitionsanstalt bei Hamburg entdeckt.