"Overlord"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (englisch Lehnsherr), Codename für den strategischen Plan der Westalliierten für eine Invasion auf dem europäischen Festland. "Overlord" entsprang dem sowjetischen Wunsch nach einer Zweiten Front gegen die deutsche Wehrmacht zur Entlastung der Roten Armee. Stalin fand mit dieser Forderung bei US-Präsident Roosevelt Gehör, der eine entsprechende Planung schon 1942 in Auftrag gab (Landung mit 6 Divisionen im April 43 zwischen Le Havre und Boulogne). Der britische Premier Churchill jedoch sperrte sich zunächst, da er den frontalen Angriff auf den deutsch besetzten Kontinent für zu riskant hielt - der Raid gegen Dieppe (19.8.42) sollte nicht zuletzt diesen Beweis liefern - und eine "Strategie der Peripherie" mit einem Angriff auf den "weichen Bauch Europas" vorzog. Dahinter steckte auch die Sorge, der Einflussbereich Moskaus könne sich zu weit nach Westen vorschieben. Zunächst kam es daher zur Landung "Torch" in Nordafrika (8.11.42) und zum Sprung nach Sizilien (10.7.43) und aufs italienische Festland ("Baytown", 3.9.43). Erst auf weitere massive sowjetische Vorhaltungen hin entschlossen sich die westlichen Regierungschefs im Mai 43 auf der "Trident"-Konferenz in Washington, die Combined Chiefs of Staff mit der Planung von "Overlord" zu beauftragen und das Unternehmen für 1944 einzuplanen.

    Als Landeraum wurde die normannische Küste zwischen Cherbourg und Le Havre gewählt, weil der Gegner eine Invasion vermutlich an der engsten Stelle des Ärmelkanals am Pas de Calais erwartete, weil das Zielgebiet günstig im Operationsbereich der Jagdwaffe lag und weil die Ufer am wenigsten Probleme boten. Für "Overlord" stellten die Alliierten eine Streitmacht von 3 Millionen Mann unter US-General Eisenhower auf, deren Gros als 21. Heeresgruppe (Montgomery) mit der 1. US-Armee (Bradley) auf dem rechten und der britischen 2. Armee (Dempsey) auf dem linken Flügel aufgefächert in 5 Korps an Land gehen sollte, wo kurz vorher Luftlandetruppen erste Stützpunkte bilden würden. Massive Unterstützung der Landung durch Luft- (Leigh Mallory) und Seestreitkräfte (Ramsay) sollte die deutsche Abwehr niederhalten, deren 30 Infanterie- und 6 Panzerdivisionen zudem auf 7. (Dollmann) und 15. Armee (Salmuth) verteilt und von der Bretagne bis nach Belgien verstreut waren. Sie bildeten die Heeresgruppe B unter Generalfeldmarschall Rommel, dessen Abwehrmaßnahmen jedoch unter ständigen Reibereien mit dem Oberbefehlshaber West, Rundstedt, und Eingriffen Hitlers litten. Weder wurde der Atlantikwall hinreichend ausgebaut, noch standen auch nur entfernt genügend Fliegerkräfte zur Verfügung. Als "Overlord" am 6.6.44 ausgelöst wurde und die Invasion begann, trafen die Alliierten auf einen überraschten und ungenügend vorbereiteten Gegner.