"Millenium"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    britische Codebezeichnung für den Tausend-Bomber-Schlag in der Nacht vom 30./31.5.42 gegen Köln. Mit diesem "Jahrtausend"-Angriff demonstrierte die RAF erstmals in spektakulärer Weise ihre neue Strategie des Flächenbombardements, bei dem durch Einäscherung ganzer Wohnviertel hauptsächlich die Moral der Zivilbevölkerung getroffen werden sollte. Unter seinem neuen Oberbefehlshaber Harris hatte das Bomber Command die neuen Weisungen im Frühjahr 42 gegen die beiden Hansestädte Lübeck und Rostock erprobt. Für den eigentlichen Schlag wurden Hamburg und Köln in die engere Wahl gezogen, wobei die Wetterlage über dem Ziel den Ausschlag für die Stadt am Rhein gab. Weil eigentlich nur 457 Maschinen und Besatzungen für den Angriff zur Verfügung standen, wurden zur Erreichung der propagandistischen Zahl von 1000 Angreifern auch alle geeigneten Flugzeuge von Ausbildungs- und Umschulungseinheiten zusammengezogen, sodass schließlich von 52 Flugfeldern 1046 Maschinen aufstiegen, darunter 230 viermotorige. Mindestens 898 entluden innerhalb von 90 Minuten 1455 t Bomben über Köln, davon zwei Drittel Brandbomben. Zum Schutz gegen die deutsche Nachtjagd wurde erstmals die Taktik des konzentrierten Bomberstroms praktiziert. Danach sollten jeweils 11 Maschinen pro Minute über dem Ziel eintreffen. RAF-Piloten berichteten, der Himmel über der brennenden Domstadt sei belebt gewesen "wie Piccadilly Circus". 240 Hektar Stadtfläche, davon die Hälfte im Zentrum, mit insgesamt 14 500 Wohn- und Geschäftshäusern wurden zerstört, 6630 Häuser schwer beschädigt und mehr als 300 Betriebe getroffen. Nach örtlichen Unterlagen kamen 486 Zivilisten ums Leben, 5027 wurden verletzt, 45 000 obdachlos und 140 000 evakuiert. Die RAF verlor 41 Bomber und 3 von 88 Störflugzeugen. Im Juni 42 folgten zwei weitere Tausend-Bomber-Schläge gegen Essen und Bremen, die wegen schlechten Wetters allerdings weniger Schaden anrichteten.