"Merkur"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Deckname für die Operationen zur Besetzung der griechischen Mittelmeerinsel Kreta durch deutsche Truppen Ende Mai 41. Nach dem Überfall Italiens auf Griechenland im Oktober 40 waren auf Kreta britische Heeres- und Luftwaffeneinheiten gelandet, die im Laufe des britischen Rückzugs vom Festland gegen Ende des Balkanfeldzugs im April 41 noch verstärkt wurden. Von hier aus sollte der Widerstand fortgesetzt und eine Basis geschaffen werden zur Bedrohung der deutschen Position auf dem Balkan mit den lebenswichtigen rumänischen Erdölgebieten. Angesichts der britischen Seeherrschaft schlug daher General Student am 21.4.41 Hitler eine großangelegte Luftlandeoperation vor, die nach einigem Zögern mit Führerweisung Nr. 28 am 25.4. angeordnet wurde und den Namen "Merkur" erhielt. Man erhoffte sich davon zudem den Gewinn von Absprungpositionen zur Bekämpfung der britischen Flotte im östlichen Mittelmeer, zur Bedrohung ihrer Basen in Ägypten und zur Unterstützung der Front in Nordafrika. Für "Merkur" wurden bereitgestellt 15 000 Springer der 7. Fallschirmdivision (Generalleutnant Süssmann), 8500 Mann der 5. Gebirgsdivision (Generalmajor Ringel) und 700 Kraftradschützen der 5. Panzerdivision, insgesamt 24 200 Mann. Sie sollten von 10 Transportgruppen mit 539 Ju 52 und 300 Lastenseglern, gedeckt von 270 Bombern, 150 Stukas, 90 Jägern, 90 Zerstörern und 60 Aufklärern auf die fieberhaft befestigte Insel gebracht werden. Über die Stärke der britischen Verteidiger lieferte die deutsche Aufklärung freilich viel zu geringe Zahlen, sodass die Angreifer bei der Auslösung von "Merkur" am 20.5.41 blutige Überraschungen erlebten.