"Lili Marleen"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    im 1. Weltkrieg (1915) von Hans Leip (1893-1983) geschriebenes Gedicht, das in der Vertonung von Norbert Schultze (1911-83), gesungen von Lale Andersen (1919-72), über alle Fronten hinweg zum Schlager des 2. Weltkriegs wurde. Das schlichte, melancholische "Lied eines jungen Wachtpostens", der auf ein Wiedersehen mit seinem Mädchen hofft, geriet am 18.8.41 zufällig ins Programm des deutschen Soldatensenders Belgrad. Die Resonanz war so überwältigend, dass "Lili Marleen" fortan täglich um 21.57 Uhr ausgestrahlt wurde; an vielen Kampfabschnitten trat um diese Zeit eine Feuerpause ein, weil die Soldaten auf beiden Seiten der rauchigen Stimme lauschten. Goebbels, der Text und Musik "morbide" nannte und von einer "Schnulze mit Totentanzgeruch" sprach, zog seinen Einspruch zunächst zurück, erteilte dann aber 1942 der Sängerin Auftrittverbot und untersagte die Ausstrahlung des Liedes nach der Katastrophe von Stalingrad ganz. Inzwischen war es jedoch, in 48 Sprachen übersetzt, fester Bestandteil der alliierten Rundfunkprogramme - englisch gesungen von Marlene Dietrich, französisch von Edith Piaf -, obwohl auch britische Kommandeure Bedenken wegen negativer Auswirkungen auf die Kampfmoral äußerten. Die Popularität von "Lili Marlen" wurde auch zu propagandistischen Zwecken durch Unterlegung antideutscher Texte genutzt. Verballhornungen wie "Kind ich hab dich gerne,/ süße kleine Maus,/ aber die Laterne/ hängt mir zum Halse raus!" belegen den inflationären Einsatz des Ohrwurms, der auch nach 1945 zum Standardrepertoire der Soldatenprogramme gehörte und heute ein Klassiker ist.