"Kriegsbücherei der deutschen Jugend"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    seit 1939 von der Reichsjugendführung in Verbindung mit dem OKW wöchentlich zum Preis von 0,20 Reichsmark im Berliner Steiniger-Verlag herausgegebene Leseheftreihe. Obwohl die triviale Heftchenliteratur schon 1933 von der nationalsozialistischen Zensur weitgehend verboten worden war, musste man dem durch Einberufung und Kasernierung von immer mehr Wehrpflichtigen steigenden Bedarf an anspruchslos-abenteuerlicher Lektüre Rechnung tragen. Die auflagenstarke Kriegsbücherei der deutschen Jugend knüpfte inhaltlich und durch ihre Aufmachung geschickt an früher populäre Abenteuerhefte an. Die Titel stellten v.a. die Überlegenheit der Deutschen über andere Völker heraus, um die Einsatzfreudigkeit der Jugend zu fördern. In Heft 33 (1940) "Hände hoch, Gentlemen" fängt ein heimlich an die Front gefahrener 15-Jähriger in "kühner Tat" britische Spione; der Titelheld von Heft 134 (1941) "Oberstabsarzt Winnetou", edelgesichtig wie der gleichnamige Indianerheld, ist nach "schönsten Einsätzen" mit "jugendfrischem Reiz" auf "polnischen Schlachtfeldern" mit Skalpell und "Kriegsbeil" immer für einen männlichen Spaß gut. Verfasst wurden die Nummern der Kriegsbücherei der deutschen Jugend von PK-Männern und damals noch wenig bekannten Journalisten: Heft 52 "Panzer stoßen zum Meer" von Josef Müller-Marein (später "Zeit"-Chefredakteur), Heft 122 "Panzerspähtrupp überfällig" von Jürgen Eick (Mitherausgeber "Frankfurter Allgemeine Zeitung"), Heft 144 "Störfeuer von M 17" von Henri Nannen (Herausgeber "Stern") u.a. Dem erzählerischen Appell folgte am Ende jedes Hefts direkte Agitation: "Hilf mit, deutscher Junge, den Endsieg zu erfechten!" oder "Finde Erfüllung deiner Wünsche in der deutschen Luftwaffe!".