"Gomorrha"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Codebezeichnung für eine Serie alliierter Luftangriffe auf Hamburg Ende Juli 43, benannt nach der biblischen Stadt, die Gott wegen ihrer "himmelschreienden Sünden" vernichtete. Mit "Gomorrha" sollte nach dem Willen von Luftmarschall Harris die Millionenstadt an der Elbe "ausgelöscht" werden (Tagesbefehl vom 24.7.). Dazu setzte er bei den 3 schwersten Nachtangriffen (24./25., 27./28. und 29./30.7.) 2353 schwere Bomber ein, die 7196 t Bomben abwarfen, bei Tage flog zudem die US-Luftwaffe Punktangriffe auf Industrieziele. Insgesamt waren für "Gomorrha" über 100 000 Mann fliegendes und Bodenpersonal im Einsatz, die Bombenlast summierte sich schließlich auf rund 9000 t, die fast ungehindert ins Ziel gebracht werden konnten, weil die deutsche Abwehr durch das neue "Window"-Verfahren (Abwurf von Stanniolstreifen zur Störung der Funkortung) nahezu blind war. Im Feuersturm von "Gomorrha", verstärkt noch durch trockene und heiße Witterung, starben 30 500 Menschen, da es selbst in Kanälen und Fleeten kaum Rettung vor dem Flammenmeer gab und der Luftschutz hoffnungslos überfordert war. 900 000 Hamburger flohen zeitweise aus der Stadt, in der 277 330 Wohnhäuser (fast 50%) völlig und zahlreiche weitere teilweise zerstört wurden. Außerdem fielen "Gomorrha" 580 Industrie-, 2632 Gewerbe-, 13 Versorgungs- und 22 Verkehrsbetriebe zum Opfer, 24 Krankenhäuser, 277 Schulen, 58 Kirchen und 12 Brücken wurden vernichtet, das Verkehrsnetz brach zusammen, 150 km Oberleitungen der Straßenbahn fielen aus, im Hafen sanken Schiffe und Schuten mit über 180 000 BRT, der Gesamtschaden wurde auf 23 Milliarden Reichsmark geschätzt, die Trümmermenge betrug 40 Millionen Tonnen. Dennoch erreichte die Hansestadt nach amerikanischen Untersuchungen in 5 Monaten wieder 80% ihrer Produktionskapazität, was die militärische Fragwürdigkeit des Terrorkonzepts der britischen Luftkriegsführung deutlich machte.