"Dynamo"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Codebezeichnung für die Evakuierung der bei Dünkirchen eingeschlossenen alliierten Truppen Ende Mai/Anfang Juni 40. Das vom britischen Admiral Ramsey geleitete Unternehmen "Dynamo" blieb die einzige Möglichkeit zur Rettung der Verbände, die ihr Kriegsmaterial allerdings zurücklassen mussten. Der Erfolg von "Dynamo" - 338 000 nach England transportierte Soldaten, darunter 123 000 Franzosen - wurde möglich durch die Vormarschpause der deutschen Panzer am 24.5., den zähen Abwehrkampf der Verteidiger von Calais, die günstige Wetterlage (tiefe Wolkendecke, ruhige See) und den erbitterten Widerstand der RAF, die ihre gesamte Jagdwaffe zur Deckung einsetzte. Die von Göring angekündigte Verhinderung von "Dynamo" aus der Luft erwies sich als unmöglich; Wetter und Rauchfahnen der riesigen Brände behinderten eine wirksame Bekämpfung der Einschiffungen, die Wirkung der Bomben blieb zudem am sandigen Strand und im Wasser gering. Die Kriegsmarine konnte daher erst zu spät und nur mit Schnellbooten eingreifen, sodass insgesamt nur 270 Fahrzeuge der Evakuierungsflotte (davon 235 durch Luftangriffe) versenkt werden konnten und die alliierten Verluste mit rund 7000 Toten relativ gering blieben. Die Rettung von nahezu 85% der British Expeditionary Forces (BEF) ermöglichte Großbritannien den Neuaufbau von Streitkräften zur Abwehr der nun befürchteten deutschen Invasion und nach deren Ausbleiben ("Seelöwe") zur Fortführung des Krieges zunächst an der europäischen Peripherie und schließlich wieder auf dem Kontinent.