"Dragoon"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (englisch Dragoner), Deckname für die Landung alliierter Truppen in Südfrankreich nach dem Operationsentwurf "Anvil" am 15.8.44 zur Flankierung der Invasion in der Normandie. Für "Dragoon" wurde die 7. US-Armee (Patch) mit dem VI. US-Korps und dem II. (frei-)französischen Korps unter de Lattre de Tassigny bereitgestellt. Die Landungsflotte bestand aus 2000 Fahrzeugen, davon 500 Kriegsschiffe, unter einem Luftschirm von 1900 Maschinen. Die deutsche Abwehr, zermürbt durch ständige Bombenangriffe seit April 44 (insgesamt 13 000 t) und geschwächt durch die Abgabe von Truppen an die Invasionsfront, bestand aus der 19. Armee (Wiese) mit 7 Infanteriedivisionen und der 11. Panzerinfanteriedivision, die allerdings noch herangeführt werden musste. Die Luftwaffe konnte 200 Maschinen stellen, nennenswerte Kräfte der Kriegsmarine standen zur Bekämpfung der Landungsarmada nicht zur Verfügung. Während die Moral der gut ausgerüsteten Angreifer, insbesondere natürlich der französischen Truppenteile, tadellos war, litt die deutsche Verteidigung unter Nachschubmangel, den Hiobsbotschaften von allen Fronten, Sabotage durch Kommandos der Résistance und ungeeignetem Personal. Der Ausbau des so genannten Mittelmeerwalls steckte zudem noch in den Anfängen. Zwar hatte die deutsche Aufklärung zahlreiche Erkenntnisse über "Dragoon", unsicher aber war bis zuletzt der genaue Angriffsraum.

    Mit einigen Ablenkungsattacken gelang den Alliierten daher die geplante Überraschung, als sie im Morgengrauen des "J-Day" (15.8.) das Feuer aus zahllosen Schiffsgeschützen auf die Küste zwischen Hyères im Westen und Cannes im Osten eröffneten, den Strand mit deckenden Bombardements belegten und hinter den Verteidigungslinien bei Le Muy das Argenstal durch Absetzen der 1. US-Luftlandedivision sperrten. Am Abend waren bei Saint-Tropez und bei Saint-Raphael zwei Brückenköpfe mit 6000 Mann gebildet, 5000 t Material an Land gebracht und 2000 Gefangene gemacht worden; rund 320 GIs waren gefallen. Die unumschränkte alliierte Luftherrschaft behinderte das Heranführen von deutschen Reserven, insbesondere den Marsch der 11. Panzerdivision. Bis zum Abend des 17.8. waren die Landeköpfe weit ins Hinterland ausgedehnt und bereits 87 000 Mann mit 12 250 Fahrzeugen auf dem Vormarsch, der durch den deutschen Beschluss zur schrittweisen Räumung von Südfrankreich beflügelt wurde. Nur die Hafenstädte Toulon und Marseille, gegen die das französische II. Korps angesetzt wurde, sollten von je einer Division gehalten werden. Mit ihrem Fall jedoch nur wenige Tage später war "Dragoon" erfolgreich abgeschlossen; am 12.9.44, viele Wochen eher als geplant, traf sich bei Landres (Bourgogne) die 3. US-Armee (Patton) der Invasionsfront mit dem französischen II. Korps der "Dragoon"-Front.