"Barbarossa"

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Barbarossa. Unüberschaubar war die Zahl der Gefangenen zu Beginn des Russlandfeldzuges
    Deckname des deutschen Operationsplans für einen Angriff auf die Sowjetunion. Zunächst für die Zeit nach dem Sieg über Großbritannien vorgesehen, wurde "Barbarossa" schließlich eher ein Ersatz dafür und sollte nach der erfolglosen Luftschlacht um England den letzten potenziellen Gegner auf dem Kontinent "in einem schnellen Feldzug niederwerfen": "Ist aber Russland zerschlagen, dann ist Englands letzte Hoffnung getilgt" (Hitler-Rede 31.7.40). Nach dem Triumph über die als stärkste europäische Militärmacht angesehenen französischen Streitkräfte wurde die Kampfkraft der Roten Armee von Hitler und der Generalität gleichermaßen niedrig eingeschätzt, v.a. auch wegen der Schlappen im finnisch-sowjetischen Winterkrieg. Nachdem bereits am 5.8.40 ein erster "Operationsentwurf Ost" von Generalmajor Erich Marcks vorgelegt worden war (einarmige Zangenbewegung: Vorstoß im Süden nach Rostow, Eindrehen Richtung Moskau), erfolgte am 18.12.40 die eigentliche "Weisung Nr. 21 Fall B.": Vernichtung der "Masse des russischen Heeres" durch schnelle Panzerraids, die den "Abzug kampfkräftiger Teile in die Weite des russischen Raums" verhindern sollten; Abschluss der Vorbereitungen bis 15.5.41. Der vornehmlich mit der Planung betraute Oberquartiermeister I, Generalleutnant Paulus, entwarf dafür einen geballten Vorstoß auf Moskau. Obwohl Hitler am 3.2.41 andere Prioritäten setzte (Leningrad als "Brutstätte des Bolschewismus", Ukraine wegen der Versorgung), blieb es beim vorgesehenen Aufmarsch: stärkste Kräftemassierung bei der Heeresgruppe Mitte mit 51 Divisionen, davon 9 Panzerdivisionen, flankiert von 26 Divisionen der Heeresgruppe Nord und 59, davon 14 rumänische und nur 5 Panzerdivisionen, bei der Heeresgruppe Süd. Dieser politisch-militärische Zielkonflikt führte im Russlandfeldzug zu erheblichen Problemen. Hinzu kam die Verzögerung von "Barbarossa" durch den Balkanfeldzug um fünf Wochen.

    "Barbarossa", benannt nach dem Stauferkaiser Friedrich I., war von Hitler zudem als "Kampf zweier Weltanschauungen", als "Kreuzzug" gegen das "soziale Verbrechertum" des Kommunismus konzipiert. Daraus resultierten der Barbarossa-Gerichtsbarkeitserlass (13.5.41) und der Kommissarbefehl (6.6.41), für die Hitler ein Abrücken "vom Standpunkt des soldatischen Kameradentums" forderte. Zwar erließ Heeresoberbefehlshaber von Brauchitsch dagegen einen Tagesbefehl zur Wahrung der "herkömmlichen Manneszucht", doch ließ sich die Verstrickung der Wehrmacht in die nationalsozialistischen Verbrechen nicht verhindern.